Beitrag vom 10 Oktober 2009 21:44

Nicht schon wieder – Zyngas neuester Streich

cafe-world

»Nicht schon wieder so ein blödes facebook-Spiel« mag sich der ein oder andere Leser denken. Aber es ist einfach zu interessant, um nicht darüber zu bloggen. Der inzwischen bekannte Spielehersteller Zynga hat also schon wieder zugeschlagen. Seit gerade mal einer Woche gibt es deren neues Spiel Café World, ein Restaurant-Manager, und laut AppData hat es in dieser einen Woche fast 10 Millionen Nutzer gesammelt. Das ist in mehrerlei Hinsicht interessant mit anzusehen.

Zunächst kann man wieder die klassische Zynga-Taktik beobachten. Geklaut wurde diesmal das Spielchen Restaurant City von Playfish, der Nummer zwei hinter Zynga. Wenn ihr die Muße habt: kuckt euch das mal an, mehr klauen geht nämlich kaum. Die Funktionen sind bis ins letzte Menü hinein 1:1 übernommen. Was für eine unglaubliche Dreistigkeit, mag man sich im ersten Augenblick denken. Ökonomisch betrachtet macht Zynga aber alles richtig. Sie warten ab, wie es den First Movern neuer Konzepte ergeht und ziehen dann nach. Das sind ja keine Produkte, die über viele Monate Planungs- und Entwicklungszeit brauchen und außerdem hat Zynga inzwischen eine extrem schlagkräftige Kopier-Gruppe aufgebaut. Und deshalb können sie ein paar Wochen zusehen, Fehler und Stärken analysieren und dann nachziehen (in der traditionellen Spielebranche läuft das übrigens auch oft so, bloß dauert es immer etwas länger). Durch die enorme Reichweite von Farmville und natürlich Ads schaffen sie es dann auch noch, für eine unglaubliche Verbreitungsgeschwindigkeit zu sorgen.

Aber was machen sie denn eigentlich besser? Im Vergleich zur Konkurrenz und zu ihrem Megahit Farmville? Im Unterschied zu Restaurant City hat Café World eine höhere Dichte an Interaktionsmöglichkeiten. Das zieht einen tiefer ins Spiel. Und die von Farmville bekannte Expansions-Option. Auch wenn ich erst das Playfish-Produkt besser fand, nach kurzer Zeit fasziniert der Klon von Zynga einfach mehr. Und wenn man das Spiel neben Farmville stellt muss man erkennen, dass Zynga einiges geklaut gelernt hat. Die soziale Komponente ist noch tiefer verankert. Ohne mit der Anwendung verknüpft zu sein laufen Avatare mit den Namen meiner Freunde durch das Restaurant. Diesen Freunden kann ich (wie bei Mafiawars, bloß präsenter) Funktionen zuweisen, z.B. ist einer meine Bedienung. Der eigene Charakter lässt sich nun noch sehr viel stärker individualisieren – das kostet natürlich (wenngleich erstmal nur Spielgeld, aber das kann man ja für echtes Geld nachkaufen). Das Restaurant kann über Tapeten, Böden, Möbel, Deko & Co. einen eigenen Touch bekommen, kostet natürlich auch. Irgendjemand, der noch nicht an die Sims denkt? Für mich geht das in Richtung einer Mischung aus den Sims und den klassischen Wirtschaftssimulationen wie der Tycoon-Reihe (Zoo-Tycoon, Rollercaster-Tycoon, …) oder auch Sim City. Und das unter Einbeziehung von Freunden. Diese Einbeziehung findest immer noch recht oberflächlich ab wie ich finde, aber das hat gewaltiges Potential.

(via)

Michael Völker
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