Beitrag vom 28 September 2009 10:34

Das unheimliche Wachstum von Zynga

zynga

Vor etwa einem Monat hatte ich an dieser Stelle Farmville vorgestellt, das größte Spiel der Welt. Erinnert man sich an die Wachstumsraten ist es vier Wochen danach durchaus von Interesse, mal wieder einen Blick darauf zu werfen. Es ist nämlich noch weiter gewachsen und eine Ende ist derzeit nicht in Sicht. 128 Millionen aktive Nutzer zählt Zynga, das Unternehmen hinter Farmville und Mafia Wars im Monat. Zynga ist die unangefochtene Nummer eins, größer als die nächsten drei Wettbewerber dahinter (Playfish, Rock You und Causes).

Jeder, der bei facebook unterwegs ist, ist inzwischen vermutlich schon über mindestens eines der genannten Spiele gestolpert und daran knüpft der Versuch einer Erklärung an, warum Zynga ein derartiger Erfolg beschert ist. Das Bespielen viraler Kanäle ist ein Grund. Bei jedem Ereignis im Spiel schlägt das Spiel vor, eine Statusmeldung mit einem tollen neuen Titel und einem hübschen Bildchen zu veröffentlichen. Die taucht dann natürlich in den Streams aller Freunde auf und sorgt dafür, dass dieser Freund von nun an ausgeblendet wird – oder dass man es eben doch mal ausprobiert. Wenn es so weit ist folgt der zweite Baustein des Erfolgs: die Motivationsspirale im Spiel selbst. Und das machen beide Spiele gut, bei Mafia Wars gibt es mehr Durchhänger und keine »begehbare Welt«, weshalb der größere Erfolg von Farmville logisch erscheint. Man kann nicht wirklich sterben oder verlieren, es wird sukzessive gelevelt und ausgebaut – und weil das noch ein bisschen besser (und vor allem schneller) funktioniert, wenn man sich Credits dazukauft, kann Zynga bald auf ein Einkommen von 1 Million US-Dollar pro Tag blicken. Bei über 18 Millionen aktiven Nutzern pro Tag (bei Farmville, Mafia Wars hat gut 6 Millionen) und einem wöchentlichen Wachstum von gut 5% keine illusorische Zahl.

Last but not least nicht zu verachten ist natürlich der offene Kommunikations- und Kooperationskanal, den facebook bereitstellt. Das ist schon etwas anderes, als die vergleichsweise geschlossene Community eines World of Warcraft. Ebenfalls nicht vergessen werden darf die Unmenge von Anzeigen, die Zynga für seine Spielchen schaltet – und an denen facebook natürlich kräftig verdient, von 50 Millionen US-Dollar pro Jahr war zuletzt die Rede, Tendenz steigend. Hier wird natürlich schön voneinander profitiert. Aber ein bisschen acht geben muss facebook doch. Zynga ist ein aggressiver Player, kauft und kopiert Konkurrenten gnadenlos und ist bestrebt, die User eines Mega-Netzwerks wie facebook auszuquetschen bis mehr nicht mehr geht (und da geht noch einiges). Dass ein eventueller Börsengang von Zynga alleine deshalb spannend wird, ist abzusehen.

Michael Völker
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