Beitrag vom 17 August 2009 10:40

Wie Game Engines die Werbung revolutionieren

Killzone 2

Anfang dieses Jahres warfen die Entwickler von Guerrilla Games mit Killzone 2 einen ziemlich guten Shooter auf den Markt, der ein oder andere hat davon bestimmt in der PS3-Ecke des MacVillage gelesen oder es selbst gespielt. Eine Besonderheit an der Bewerbung dieses Spiels macht die Sache besonders interessant. Für Spezialeffekte war nämlich das Studio Zoic verantwortlich. Dessen Mitbegründer Loni Peristere hat sich nämlich einen ziemlich beeindruckenden Werbespot mit dem Namen »Bullet Journey« ausgedacht. Der dauert 30 Sekunden und man sieht daran eine Kugel über das Schlachtfeld von Killzone 2 fliegen. So weit so unspektakulär.

Die tolle Idee besteht darin, dass der Spot – so er auf die PS3 heruntergeladen wird – kein gerenderter Film ist, sondern voll auf der Engine basiert. Diese Tatsache ausnutzend ist der Film (der so keiner ist) voll mit Interaktionsmöglichkeiten. Die Filmgeschwindigkeit lässt sich manipulieren, die Kamera ist frei schwenkbar, Audio-Kommentare der Visual Artists lassen sich zuschalten und verschiedene Filter für Beluchtung, Texturen und Farben zu- und abschalten. Damit geht es lange nicht mehr nur um die Geschichte der fliegenden Kugel, wie Perister dem Wired-Magazine erklärt hat (ein Video mit Perister zu diesem Thema findet sich bei den Kollegen von Advertising Age):

You see 21 events at any one time, but there’s another 21 events they’re related to, the guy throwing the grenade is actually throwing it somewhere, at someone in the scene.

Klar, dass diese Präsentationsform vor allem die Potenz der neuentwickelten Engine in der Vordergrund rückte. Aber wie viel mehr kann man sich da vorstellen! Schon die Theorie, die seit einiger Zeit die Entwicklung von Push- hin zu Pull-Marketing-Aktivitäten propagiert, passt perfekt zu diesem Ansatz, bei dem der Betrachter der Werbung vom Betrachter zum Akteur wird. Die daraus folgende emotionale Involvierung dürfte ziemlich sicher die Kaufbereitschaft erhöhen. Und noch etwas ist spannend. Dieser Spot ist ja nur mit einer PS3 erfahrbar, in ein lineares Fernsehprogramm kann das sowieso nicht integriert werden.

Wir können jedoch ein rasantes Wachstum von Browsergames beobachten. Hier kämpfen noch zwei Strömungen gegeneinander. Die einen arbeiten über Plugins, die die Browser 3D-fähig machen, direkt mit dem Rechner des Users, was natürlich zu Abstrichen bei der Grafik führt. Die andere Fraktion berechnet die darzustellenden Szenen auf irgendwelchen Highend-Rechnern irgendwo auf der Welt und liefert ein fertiges Superbild per Stream auch auf flachbrüstige Rechner. Was wiederum nur mit einer superschnellen Leitung reibungslos funktioniert. Aber egal was sich durchsetzt, über kurz oder lang werden die Engines im Browser verfügbar sein und die Werbemenschen werden sie nutzen müssen, um interaktive Werbung produzieren zu können. Killzone 2 hat es vorgemacht und einen beeindruckenden Grundstein gelegt.

Michael Völker
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